Monatsarchiv: Juli 2011

Bildung ist wichtig

Wer mit Laila Halim sprechen möchte, sollte lieber vorher einen Termin vereinbaren, denn sie ist eine viel beschäftigte Frau.

Laila Halim und ihr Mann haben 1990 aus politischen Gründen ihr Heimatland Afghanistan verlassen. Heute sind sie deutsche Staatsbürger und leben mit ihren vier Kindern, die in Deutschland geboren sind, in Lohbrügge. Die ältesten zwei Söhne haben bereits ihr Abitur. Der dritte Sohn und die Tochter gehen auf das Gymnasium.

Laila Halim aus Afghanistan – arbeitet als Schneiderin in Lohbrügge.

Die Frage, was damals neu und anders für sie war in Deutschland, beantwortet sie so: „Die Sicherheit und dass man sich frei bewegen konnte.“ In Afghanistan war und ist diese Sicherheit nicht gegeben.

Der größte Teil ihrer Familie lebt heute ebenfalls außerhalb Afghanistans, und zwar in England, Frankreich, Pakistan und Aserbaidschan.

Laila Halim würde sich jedoch wünschen, dass ihre Kinder einmal ihre Heimatstadt Kabul kennen lernen, aber es scheint ihr immer noch zu gefährlich zu sein, ihre Familie dort einige Zeit leben zu lassen. Sie ist froh, dass ihr ältester Sohn, der in Hamburg Wirtschaftsingenieurwesen studiert, in Deutschland den Kriegsdienst verweigert hat und sagt: „Ich lasse es nicht zu, dass meine Kinder in den Krieg gehen.“ Sie erläutert, dass sie genug unter dem Krieg in Afghanistan gelitten hat und noch heute deshalb Albträume hat. Dieses Trauma teilt sie mit allen, die diesen Krieg erleiden mussten und immer noch müssen.

Eine eigene Meinung basiert auf einer guten Bildung.

Sie befürchtet, dass es Bürgerkrieg geben werde, wenn die ausländischen Truppen das Land verlassen. Dass die Alliierten jedoch ohne eine Strategie für die Zukunft einmarschiert sind, gefällt ihr nicht. „Demokratie kann man nicht erzwingen. Erst brauchen die Menschen Bildung und dann kommt die eigene Meinung“, ist Laila Halim überzeugt.

Sie engagiert sich für die Bildung afghanischer Kinder in Hamburg, denn Kinder brauchen eine gute Schulausbildung und benötigen dafür die Unterstützung ihrer Eltern, auch in Schulgremien wie dem Elternbeirat.

Die quirlige Frau erzählt, dass Ihr Sohn manchmal meint, sie betätige sich zu viel ehrenamtlich, ihr Mann unterstütze sie aber bei all ihren Aufgaben mit Geduld.

Mehr Engagement wünscht sich Laila Halim von in Deutschland lebenden Migranten: “Ich möchte, dass mehr Migranten für Bildung und Integration kämpfen, dass wir zusammenstehen und einander helfen.“

Laila Halim engagiert sich weiterhin mit Leidenschaft für dieses Ziel, denn sie sagt: „Wenn es den anderen gut geht, geht es mir gut.

Text
Sigrun Friederike Priemer
Bansenstraße 2
21075 Hamburg
Telefon 040-98769119
Email sigrun.priemer@web.de

Foto
Cornelius Kalk
Beimoorstraße 11
22081 Hamburg
Telefon 040-3570 6477
Email kalk@bewegende-bilder.de
Web http://www.bewegende-bilder.de

Advertisements