Monatsarchiv: Februar 2012

Die stille Villa

Marisa Reyero de Starke wohnt und arbeitet in einer roten Backsteinvilla. „Heute leben hier drei Generationen und wir haben viel Besuch“, erzählt sie. Das Ehepaar mit vier Kindern ist 1989 in die Villa in Lohbrügge gezogen und hat das Haus mit viel Liebe renoviert.

Marisa Reyero de Starke aus Spanien

Frau Reyero de Starke lebt seit 48 Jahren in Deutschland. Länger als das halbe Leben. 1970 haben sie und ihr Mann geheiratet, seit 1980 ist sie deutsche Staatsbürgerin. „Mir wurde immer gleich geholfen“, sagt sie, wenn man nach ihren Erfahrungen mit der Einwanderung fragt.

Sie sitzt vor dem Gartenfenster auf der Fensterbank. Der Lieblingsplatz der Enkelkinder. Marisa Reyero de Starke singt im Chor der Erlöser- und der Gandenkirche. „Dadurch habe ich sofort Zugang zu den Menschen gefunden“, erzählt sie. In den ehemaligen Kinderzimmern hat das Ehepaar Starke ihre Heilpraktikerpraxis und seine Logopädiepraxis eingerichtet. Im Wartezimmer zeigt sie uns ihre kleine Märchenbühne. Ihren Kindern, in der Gemeinde und bei Kindergeburtstagen hat sie damit Märchen erzählt. Grimmsche Märchen. Die Märchenbühne ist selbst gebaut und hinten befindet sich eine Rolle mit Märchenbildern.

Der Lieblingsplatz der Heilpraktikerin ist die Fensterbank vor dem großen Gartenfenster, wo von aus sie ihre unendlich anmutende Kraft schöpft.

Mit 53 hat Frau Reyero de Starke ihre Heilpraktikerausbildung begonnen. Für ein Medizinstudium fand sie sich zu alt. Heute mit 69 Jahren sagt sie: “Im Kopf denkt man, man hat noch Zeit. Ich mache gern Ausbildungen.“ Sie überlegt, ob sie eine Qigong-Ausbildung machen möchte. Fortbildungen für die Tätigkeit als Heilpraktikerin macht sie zwei Mal im Jahr. Eine Querflöte liegt auf der Liege in ihrer Praxis. „Musik ist mir wichtig. Ich lerne Flöte bei der Kantorin der Gnadenkirche“ erzählt sie. Ihren Kindern hat sie spanische Lieder vorgesungen und sie haben alle ein Instrument gelernt.

In den 70er Jahren hat die Familie ein Jahr in Amerika gelebt, nach Spanien zurück zu ziehen, war nie geplant. „Mich reizt die Ferne“, sagt sie lächelnd. Ihr Mann und sie gehen gern auf Kreuzfahrt. Im April geht es nach Amerika.

Fühlt sie Frau Reyero de Starke als Spanierin oder als Deutsche?

„Ich fühle mich hier zu Hause, aber wenn ich in Madrid Musik höre, tickt mein Herz spanisch“, antwortet sie. Nach Spanien habe sie nie Sehnsucht gehabt, „ich habe mich mit meiner Familie und der meines Mannes immer sehr verbunden gefühlt.“ Mit ihren vier Geschwistern telefoniert sie oft.

Die Stille in der Villa hört man, wenn der Fotograf seine Bilder macht. Die Kamera klickt erstaunlich laut. Zwei Wochen im Monat sind die Enkelkinder im Haus, dann ist es nicht leise.

Text
Sigrun Friederike Priemer
Bansenstraße 2
21075 Hamburg
Telefon 040-98769119
Email sigrun.priemer@web.de

Foto
Cornelius Kalk
Beimoorstraße 11
22081 Hamburg
Telefon 040-3570 6477
Email kalk@bewegende-bilder.de
Web http://www.bewegende-bilder.de

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Alstereisvergnügen 2012

Das hat es seit 15 Jahren nicht mehr gegeben – auch wenn der Winter in den letzten beiden Jahren immer wieder zum Spaziergang auf der Außenalster in Hamburg einlud, das Eis war für eine große Menge Menschen einfach nicht dick genug. Es wurde gebibbert und gewartet, aber letztendlich wurde es kurz vorher wieder abgesagt – das mögliche Alstereisvergnügen.

Das Alstereisvergnügen war ein Highlight in dem kurzen aber knackigen Winter 2011/2012, der von Jung und Alt trotz der klirrenden Kälte mit über 1 Million Menschen besucht wurde.

Doch im Jahr 2012 kam ein stabiles Hochdruckgebiet aus Russland nach Europa und machte aus Hamburg einen Gefrierschrank. Die Kälte wich nicht aus, hielt sich diesmal länger als 2 Wochen und erreichte Minuswerte, die man als Pluswerte ganz gut aushalten könnte. Dann war es soweit, inoffiziell sickerte es bereits am Dienstag durch alle Kanäle, die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gäbe zum Wochenende die Alster zum Betreten frei. Verkaufsstände wurden organisiert und auf beiden Uferseiten der Alster aufgestellt, die langen Unterhosen im Schrank hervorgewühlt und alles freute sich auf das sehr ungewöhnliche Volksfest mitten im norddeutschen Winter.

Von früh bis spät waren heiße Getränke der einzige mögliche Renner auf der Alster. Entweder wurde Kaffee, Kakao oder Glühwein in Thermoskannen mitgebracht oder die Durstigen nutzten das Gastronomieangebot, was rund um die Alster zur Verfügung stand

So kamen am Wochenende vom 10. bis 12. Februar mehr als eine Million Menschen und huldigten das Wahrzeichen Hamburgs diesmal durch einen Spaziergang auf der Alster bei klirrender Kälte und aufgrund der geringen Schneehöhe mit zahlreichen Sturzmöglichkeiten. Über die Anzahl der Knochenbrüche liegt dem Autor allerdings kein Zahlenmaterial vor, ein Radiosender rief ohne Absprache mit der Behörde zum Flashmob auf der Alster ein. Diese tanzende Einlage wurde denn aber wegen der Gefahr durch mögliche Schwingungen schnell wieder abgesagt. Dennoch genossen alle Hamburger trotz des Verkehrschaos rund um der Alster diese außergewöhnliche Kulisse und den wasserseitigen Blick auf die Silhouette der schönsten Stadt der Welt.

© Text und Fotos – Cornelius Kalk

Vorwärts kamen die Besucher mit unterschiedlichen Hilfsmitteln. Beliebt waren neben den Schlittschuhen auch Schlitten oder Kinderwagen, die einem bei der Glätte zu mehr Stabilität verhalfen.

Das gefrorene Wasser lockte mehr als eine Million Besucher nach Hamburg, die einen herrlichen Blick auf die im Wandel befindliche Hamburger Kulisse werfen konnten.