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All zu nah nach… – was auch immer?

Wer nach Hamburg reist, egal wie lange, kommt kaum um Altona herum. Von der Einwohnerzahl mit der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel vergleichbar vereint der westlichste Bezirk solch unterschiedliche Stadtteile wie die Altstadt, die szenigen und damit sehr beliebten Gegenden Sternschanze und Ottensen sowie die vornehmeren Viertel wie Blankenese. In dieser Konstellation gehört es noch keine 100 Jahre zu Hamburg und ist dennoch nicht mehr wegzudenken.

Blick zur blauen Stunde vom Altonaer Balkon Richtung Elbe – Postmodernes Bürogebäude trifft dort auf das Hafenpanorama.

Der Weg führt uns durch das Galão schlürfende Szeneviertel Ottensen direkt an die Elbe zum Altonaer Balkon. Von hier aus ist die Orientierung prächtig. In Richtung Süden schweift der Blick über die Docklands des Hamburger Star-Architekten Hadi Teherani weiter geradeaus in Richtung Hafen – dem Pulsschlag der Stadt. Hier pocht die Arbeit ununterbrochen, die Kräne sind im Dauereinsatz und unzählige Container wechseln ihren Inhalt. Richtung Westen ahnt man den Fischmarkt, die Altstadt von Altona und jede Menge Fisch. Selbst Ina Müller huldigt mit ihrer Nacht die Folklore der hanseatischen Tradition von Shantychören. Dem Westen gehört Blankenese, wo der Besucher erfährt, wie viele Treppen so ein Gebiet umfassen kann. Und Ottensen, wo der Besucher bereits seinen Galão schlürfen konnte, befindet sich nördlich vom Altonaer Balkon, von wo aus wir einen Ausflug in die Altstadt Altonas unternehmen.

Guter Start mit einer guten Grundlage für einen Rundgang egal zu welcher Tageszeit stellt das Fischerhaus dar. Traditionell hergerichtete Speisen zählen zu den Spezialitäten des Hauses.

Der Fischmarkt selbst, die Haifischbar, die Fischauktionshalle und das Stilwerk sind nur einige der prominenten Vertreter der Backsteingebäude direkt an der Elbe, dort wo bei Sturmflut schnell einige Autos unter Wasser stehen. Etwas weiter Richtung Westen am Fuße der in den 80er Jahren besetzten Hafenstraße liegt ein ehrwürdiges, wenn auch etwas altbackenes Fischlokal Fischerhaus mit seinem gelben markanten Anstrich von außen. Wer dagegen die direkte Lage am Wasser bevorzugt, kann den guten Ausblick aus dem Restaurant ‚La Vela‘ erhaschen. Überhaupt reihen sich entlang der Kühlhäuser an der Großen Elbstraße kleine, rustikale Fischimbisse, wo an Wochenenden Heerscharen von Hamburgern den köstlichsten frischen Fisch verzehren. Unverzichtbar ist ein kühles Blondes in der Haifischbar ein Sammelsurium aus maritimen Gegenständen wie Buddelschiffe oder Rettungsringen.

Im ‚La Vela‘ wird der Gast noch groß geschrieben, Service geht über alles.

Wer lieber gepflegt shoppen gehen möchte, kommt um das Stilwerk nicht herum. Ein buntes Treiben von Möbelgeschäften und Lifestyle-Produkten gehen hier über den Ladentisch – ein Konzept, das es auch nach Berlin, Düsseldorf und Wien geschafft hat.

Die Haifischbar ist ein Tummelbecken nicht nur für die Hamburger Haie.

Nach dem ganzen Heckmeck bleibt der Blick im Fokus des Bummlers. Wieder wird das Lokal von der Wasserkante und den gigantischen Kränen geprägt, doch diesmal etwas höher hinaus, an der oberen Seite der Hafenstraße, wo künstliche Palmen und etwas Rasen die Ruhe zum Einhalten geben sollen.

Typischer Sonntagmorgen in der Fischauktionshalle.

© Text und Fotos – Cornelius Kalk

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Leinen los!

Wenn die Sonne lacht und zum Fotografieren einlädt, kann es für mich meist nicht früh oder spät genug sein. Und so strahlt die Sonne zwar an diesem Sonntag Morgen in Polen herbstlich tief, doch sie sorgt für einen blauen Himmel.

Das Grüne Tor erstrahlt im morgendlichen Licht in den herrlichsten Farben.

Also entschließe ich mich zu einem frühen Rundgang durch die Gassen der Altstadt, wo am Abend noch das öffentliche Leben tobte und zu früher Stunde verschlafen erwacht. Vorbei am Grünen Tor gehe ich erneut über die Brücke der Mottlau auf die östliche Seite, wo sich die Marina von Gdansk befindet.

Die Schiffe in der Marina Danzigs am frühen Sonntagmorgen.

Ich halte erneut Ausschau nach dem markanten Boot mit den Fahrrädern auf dem Dach, doch es liegt ca. 10 km außerhalb der Stadt. Daher werden wir nach dem Frühstück von dem Eigner abgeholt und erhalten ein erste kleine Einweisung in die wichtigsten Bestandteile des 10 m langen Bootes mit erstaunlich geringem Tiefgang.

Der geringe Tiefgang vom Hausboot Aleksandra ermöglicht ein ufernahes Ankern und ein kühles Bad im Meer.

Genau das machen wir uns aber wenig später zu Nutze und legen in unmittelbarer Ufernähe mitten in der Ostsee an. Nicht einmal knietief ist hier das Wasser und dank des Spätsommers und immer noch sonnigen Wetters gönnen wir uns alle ein kurzes Bad im Meer. Nur der Wind wird etwas frisch, aber das ganz uns Nordschländer ja bekanntlich nichts anhaben. Wir setzen unsere Fahrt fort, begleitet von der Geschichte zwischen Deutschland und Polen. Auf der Westerplatte erinnert ein großes Monument an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – im vereinigten Europa mit dem verbindenden Euro und zahlreichen europaweit verflochtenen Firmen liegen diese Ereignisse zum Glück weit in der Vergangenheit verankert.

Brutstätte der Solidarność-Bewegung – die Danziger Werft.

Wir fahren vorbei an den Traditionswerften, werfen dabei einen Blick auf den langjährigen Arbeitgeber des ehemaligen polnischen Gewerkschaftsführer und späteren Staatspräsidenten Lech Walesa und erfahren dabei interessante Details über die Hintergründe der revolutionären Bewegung in den 80er Jahren.

Der Arm der Mottlau führt uns am Nachmittag wieder zurück in die Stadt, wo wir noch kleine Besorgungen für die kommenden Tage erledigen und später während der Dämmerung noch für einige stimmungsvollen Aufnahmen der Wasserseite während der blauen Stunde sorgen.

Das Krantor im Herzen der Stadt markiert als Wahrzeichen den Aufstieg Danzigs zur Hansestadt im 15. Jahrhundert. Es wird daher auch als ein Industriedenkmal des Mittelalters bezeichnet.

Gemeinsam kehren wir in eines der traditionell an der Uferpromenade gelegenen Lokale ein und testen neben dem einheimischen Bier diesmal auch das berühmte Danziger Goldwasser – nach der polnischen Definition auch eine Art von Vodka. Früh geht es dann die paar Schritte zurück zum Boot und ich verbringe meine erste Nacht an Bord der Aleksandra.

Danziger Goldwasser ist in Polen eine Form von Vodka.

© Text und Fotos – Cornelius Kalk

Der Artikel von Carina Wolfram erschien in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift ‘boote’.

Heißt es Danzig oder Gdansk?

Geplant war diese Reise schon länger, doch ein unglücklicher Umstand verschob unsere Pläne auf den Spätsommer im Jahre 2009. Carina und ich erwischten mit großem Glück eine sehr sonnige und regenlose Septemberwoche und brachen morgens früh mit dem Flieger nach Gdansk (Danzig) auf, um dort am nächsten Tag auf eine Rundfahrt auf der Weichsel und seiner Nebenflüsse zu gehen.

Blick durch das Grüne Tor auf den Langen Markt im Herzen Danzigs.

Engagiert waren wir beide, um über eine einwöchige Hausboottour vom Veranstalter ‚Vistula Cruises‘ für die renommierte Zeitschrift ‚Boote‘ zu recherchieren und später zu berichten. Meine Aufgabe lag in der fortlaufenden Dokumentation der Reise und der späteren Ablieferung von rund 100 Fotos an den Verlag zur weiteren Verwendung.

Hochzeitsfeier in der Marienkirche – ein mächtiger Backsteibau.

Sowohl die Hansestadt Hamburg als auch Danzig sind der traditionellen Kaufmannstradition verbunden und mit knappen 500.000 Einwohner ist die Stadt gerade einmal ein rundes Drittel so groß wie die norddeutsche Metropole. 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges hat dieser Ort eine erstaunliche Entwicklung nach vorne gemacht.

Kleine Döschen mit Tee aus der Hansestadt Gdansk – Danzig.

Am frühen Nachmittag kommen wir, checken für unsere einzige Nach im Hotel ein und orientieren uns grob in der Stadt, die so schön und romantisch an einem Nebenarm der Weichsel liegt und ganz danach ausgerichtet ist. Einen ersten Blick werfen wir auch auf die Marina und frohlocken beide dem nächsten Tag, wo uns der große Tour-Organistator Lukasz Krajewski in das Boot einweisen wird. Auf einmal entdecken wir direkt am Fluß frisch geräucherten Fisch, dem wir unmöglich widerstehen können. Also statten wir uns noch mit kühlem Bier und Brot aus und ich nutze zu später Stunde den blauen Himmel, um diesen lauschigen Septemberabend für die Leser festzuhalten.

© Text und Fotos: Cornelius Kalk

Der Artikel von Carina Wolfram erschien in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift ‚boote‘.