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„Integration beginnt im Kopf“

Kreativität ist Olga Diewolds Thema. Sie hat darüber in Moskau promoviert. „In Russland war das Thema ungewöhnlich“ erzählt die promovierte Pädagogin. In Russland musste Olga Diewold ihre deutschen Wurzeln verstecken. In der Öffentlichkeit sprach sie kein Deutsch, ihr Mädchenname Olga Christ war auffällig. In Deutschland musste sie die deutsche Sprache neu erlernen, weil das Deutsch der Russlanddeutschen sich vom modernen Hochdeutsch unterscheidet.

Dr. Olga Diewold aus Rußland als Ruhepool im Haifischbecken der Kommunikation zwischen Eltern und Schülern.

Frau Diewold hat sich nach der Wende entschieden nach Deutschland auszuwandern, während sie am ihrer Promotion arbeitete: „Ich habe mich nicht getraut, das zu an der Bildungsakademie zu erzählen, weil ich Nachteile befürchtet habe.“ Der Weg von der Bildungsakademie in Moskau an die Adolf-Diesterweg-Schule war lang. Selbstbestimmtheit war dem russischen Erziehungssystem unbekannt. Es zählten Gehorsam und Perfektion. „Ich habe mich geschämt, weil ich nicht alles verstanden habe“, sagt Frau Diewold über ihre ersten Gehversuche in Hamburg. „Ängste sind normal auch von Einheimischen gegenüber Ausländern“, findet sie. „Integration fängt im Kopf an“ sagt Frau Diewold und erklärt: „Man braucht eine positive Einstellung: Ich bleiche hier und ich will hier etwas erreichen.“

Etwas erreicht hat sie: Ihren Traumjob. Olga Diewold ist Kulturvermittlerin in Neuallermöhe. „Ich möchte Brücken bauen zwischen der Schule und dem Elternhaus“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. Die Erwartungen von Eltern aus dem russischsprachigen Raum an die Lehrer und die Schule sind oft nicht vereinbar mit den deutschen Schulalltag. Sowohl Eltern als auch Lehrer können sich an Frau Diewold wenden. Sie ist in beiden Kulturen zu Hause, kann beide Sprachen fließend und kann so beiden Seiten helfen.

Auf die Frage, ob für sie Integration mit der Sprache oder der Kommunikation im allgemeinen anfänge, antwortet Frau Diewold, für sie begänne eine gut funktionierende Integration bereits im Kopf.

Anfangs hat Olga Diewold ehrenamtlich vermittelt, später auf Honorarbasis. „Können Sie schreiben, dass die Jutta Dittmar sich sehr für den Stadtteil eingesetzt hat?“ fragt sie. Jutta Dittmar, die ehemalige Schulleiterin, hat der Schulbehörde eine feste unbefristete Stelle für eine Fachfrau aus dem Kreuz geleiert. Eine Fachfrau, die glücklich mit ihrem Job ist. Erziehungsberatung bietet sie im Elterncafé an, dann gibt es das Projekt Family Literacy (FLY). Bei FLY lernen Eltern mit ihren Kindern Deutsch. Bei allem, was sie erzählt, strahlt die Frau mit den großen blauen Augen eine mitreißende Begeisterung aus, dass man sich am liebsten selbst von ihr beraten ließe. Überzeugen konnte Familiy Literacy auch andere: 2010 erhielt es den King-Sejong-Alphabetisierungspreis der UNESCO und 2011 den Hamburger Bildungspreis der Hamburger Sparkasse.

Sie sagt: „Ich liebe Kinder“. Sobald Olga Diewold in der Pausenhalle steht, sieht man, dass die Kinder auch sie lieben. Sofort wird sie umarmt.

„In Lohbrügge lebe ich privat, ich fühle mich in Bergedorf zu Hause“, sagt sie. Sie lebt mit ihrem Sohn und ihrer Tochter in Lohbrügge. Ihre Tochter ist START-Stupendiatin. „Ich bin beeindruckt, wenn ich sehe, wie sie Verantwortung übernimmt“, staunt Olga Diewold.

Text
Sigrun Friederike Priemer
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Foto
Cornelius Kalk
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