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In der Warteschleife – Teil 4

Kunst als Ein-Euro-Job?

Nur, wenn es anders nicht geht.

Drei etwas andere Künstlerportraits.

Wir schwanken zwischen Neugier und Zurückhaltung. Die drei Künstler haben uns erlaubt, sie zu Hause zu besuchen und Fotos zu machen.

In die eigene Wohnung lässt man nicht jeden. Das ist etwas ganz persönliches.

Die leere Wohnung

Die Wohnung von Barbara Guttmann in Rahlstedt ist leer. Wirklich leer. Zumindest auf den ersten Blick. In der Küche steht ein Gestell mit zwei Kochplatten, ein Wasserkocher, ein paar Sorten Tee. In der Essdiele steht nichts und im Wohnzimmer ein selbst gebastelter Hocker aus Karton, Buntstifte liegen an der Seite und ein Block. Zeichnungen von verzerrten Gesichtern, ein gefundener Hamburger Stadtplan und ein Bild aus der Kunst-Maßnahme, mit einer Arbeitsamtszene, bestimmen das Zimmer. Darunter, an die Wand gelehnt, steht ein gerahmtes Schwarzweisportrait. Es ist ein Artefakt aus der Zeit in Lörrach. In der Essdiele und der Küche hängen Werbepostkarten.

Barbara Guttmann in ihrem Wohnzimmer vor den selbst gemalten Bildern.

Barbara Guttmann in ihrem Wohnzimmer vor den selbst gemalten Bildern.

Die kahlen Wände sollten nicht blank bleiben. „Wir sind ja unserer Möbel verlustig gegangen“, erklärt Barbara Guttmann. Nach der Wohnungslosigkeit folgt eben eine Wohnung ohne Möbel. Oder eine, mit nur dem Allernötigsten. Frau Guttmanns Partner hält den Umzug nach Hamburg für die „schlechteste Entscheidung meines Lebens.“ Sie sagt dazu nichts. Sie malt und spricht über Missachtung, inneren Druck und die Frage wie es weitergeht. Von Reue oder schlechter Laune keine Spur. „Einen 400 Eurojob findet man immer“, sagt sie und fragt: „Was will man mit 400 Euro?“ Denn eine Arbeit suchen, dass muss sie. Einen besser bezahlten Job zu finden, als jemand, der „nur“ malen kann, sei schwierig. Ein Minijob löse das Problem nicht. „Dann muss ich ja trotzdem zum Amt mit den Unterlagen.“ Sie sei dennoch dankbar, dass man Hilfe bekäme, aber Achtung, Respekt verlange sie auch.

„Wir wissen noch nicht genau, wie sich das Leben gestalten wird“, sagt sie. Ihr Partner ist 69 und bekommt Grundrente. Frau Guttmann darf noch sechs Monate in der Maßnahme bleiben, sie möchte es so. Die Bemühungen ihrer Bildungsbegleiterin der KOM um eine Neuzuweisung zur KOM, waren erfolgreich.

Teil 5 folgt …

© Text Sigrun Friederike Priemer | © Foto Cornelius Kalk