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Die stille Villa

Marisa Reyero de Starke wohnt und arbeitet in einer roten Backsteinvilla. „Heute leben hier drei Generationen und wir haben viel Besuch“, erzählt sie. Das Ehepaar mit vier Kindern ist 1989 in die Villa in Lohbrügge gezogen und hat das Haus mit viel Liebe renoviert.

Marisa Reyero de Starke aus Spanien

Frau Reyero de Starke lebt seit 48 Jahren in Deutschland. Länger als das halbe Leben. 1970 haben sie und ihr Mann geheiratet, seit 1980 ist sie deutsche Staatsbürgerin. „Mir wurde immer gleich geholfen“, sagt sie, wenn man nach ihren Erfahrungen mit der Einwanderung fragt.

Sie sitzt vor dem Gartenfenster auf der Fensterbank. Der Lieblingsplatz der Enkelkinder. Marisa Reyero de Starke singt im Chor der Erlöser- und der Gandenkirche. „Dadurch habe ich sofort Zugang zu den Menschen gefunden“, erzählt sie. In den ehemaligen Kinderzimmern hat das Ehepaar Starke ihre Heilpraktikerpraxis und seine Logopädiepraxis eingerichtet. Im Wartezimmer zeigt sie uns ihre kleine Märchenbühne. Ihren Kindern, in der Gemeinde und bei Kindergeburtstagen hat sie damit Märchen erzählt. Grimmsche Märchen. Die Märchenbühne ist selbst gebaut und hinten befindet sich eine Rolle mit Märchenbildern.

Der Lieblingsplatz der Heilpraktikerin ist die Fensterbank vor dem großen Gartenfenster, wo von aus sie ihre unendlich anmutende Kraft schöpft.

Mit 53 hat Frau Reyero de Starke ihre Heilpraktikerausbildung begonnen. Für ein Medizinstudium fand sie sich zu alt. Heute mit 69 Jahren sagt sie: “Im Kopf denkt man, man hat noch Zeit. Ich mache gern Ausbildungen.“ Sie überlegt, ob sie eine Qigong-Ausbildung machen möchte. Fortbildungen für die Tätigkeit als Heilpraktikerin macht sie zwei Mal im Jahr. Eine Querflöte liegt auf der Liege in ihrer Praxis. „Musik ist mir wichtig. Ich lerne Flöte bei der Kantorin der Gnadenkirche“ erzählt sie. Ihren Kindern hat sie spanische Lieder vorgesungen und sie haben alle ein Instrument gelernt.

In den 70er Jahren hat die Familie ein Jahr in Amerika gelebt, nach Spanien zurück zu ziehen, war nie geplant. „Mich reizt die Ferne“, sagt sie lächelnd. Ihr Mann und sie gehen gern auf Kreuzfahrt. Im April geht es nach Amerika.

Fühlt sie Frau Reyero de Starke als Spanierin oder als Deutsche?

„Ich fühle mich hier zu Hause, aber wenn ich in Madrid Musik höre, tickt mein Herz spanisch“, antwortet sie. Nach Spanien habe sie nie Sehnsucht gehabt, „ich habe mich mit meiner Familie und der meines Mannes immer sehr verbunden gefühlt.“ Mit ihren vier Geschwistern telefoniert sie oft.

Die Stille in der Villa hört man, wenn der Fotograf seine Bilder macht. Die Kamera klickt erstaunlich laut. Zwei Wochen im Monat sind die Enkelkinder im Haus, dann ist es nicht leise.

Text
Sigrun Friederike Priemer
Bansenstraße 2
21075 Hamburg
Telefon 040-98769119
Email sigrun.priemer@web.de

Foto
Cornelius Kalk
Beimoorstraße 11
22081 Hamburg
Telefon 040-3570 6477
Email kalk@bewegende-bilder.de
Web http://www.bewegende-bilder.de

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Palma de Mallorca

Silvester 2009/2010 konnte ich durch eine Einladung von Freunden auf der „Deutschen“ Mittelmeerinsel Mallorca verbringen. Es gibt dort ja viele Ecken, wo man sich mit Deutsch sehr gut verständigen kann. Glücklicherweise gibt es aber immer noch genügend Geheimtipps, wo die mallorquinische Art gelebt wird. Dazu gehören einige Cafés in Palma und… Nein! Diese Orte sind romantisch und abgelegen und sollten weiterhin unberührt bleiben. Ich danke an dieser Stelle Annika und Markus für ihre großzügige Gastfreundschaft und für deren umfassendes Insiderwissen der Insel. Hier nun ein paar Eindrücke von dort zu einer Jahreszeit, wo es in Deutschland meist unangenehm dunkel und kalt ist!

Sehen so die Schattenseiten von Palma aus?

Die Salami als lokale Delikatesse.

Kühlschrankmagneten als einheimische Souvernirs.

Der Glühwein als deutscher Export – erhältlich nur zu Weihnachten.

Die Cafés sind wie immer gut gefüllt und der Kaffee zum Nachmittag wird eingenommen.

Spiele am Mittelmeer

Die Steine werden neu gemischt.

Es ist Freitag nachmittag mitten im September in  Barcelona, der Hauptstadt von Katalanien. Die Temperaturen erreichen noch locker die 30° C Grenze und ich befinde mich gerade in dieser Stadt, um innerhalb von zwei Wochen ein bißchen Spanisch zu lernen.

Dominospieler im Spätsommer mitten in der katalanischen Hauptstadt Barcelona.

Nach dem Unterricht kehre ich zu meiner Gastfamilie zurück, lasse meine Unterrichtssachen dort und suche mir einen Platz an der Sonne, um ein wenig abzuschalten und bei einem Kaffee eine der spanischen Zigarren zu paffen. Mitten in dem Barrio, dem Viertel, wo ich untergekommen bin, mache ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für mein Vorhaben. Ich betrete eine quadratische Anlage, in der sich vor Jahren eine Textilfabrik befand. Eines der Gebäude dient den Einheimischen heute als Treffpunkt für Jung und Alt. Von der Straße fast nicht einsehbar dringen aber genügend Geräusche nach draußen, die mich neugierig machen. Ich entdecke schließlich eine Bar, in der sich ein langer Tresen befindet. An beiden Kopfenden führt jeweils eine Treppe zu zwei Emporen, auf dem sich ältere Herren die Zeit beim Spielen vertreiben.

Die Hände und Steine warten auf ihren Einsatz.

Mit der Gewißheit, daß es sich hier um keinerlei touristische Hauptattraktion handelt, macht sich meine Entdeckerlaune breit und ich schreite langsam aber zielstrebig die Stufen hinauf. Dort sitzen jeweils vier bis fünf Personen an einem Tisch und vor ihnen stehen diese kleinen Spielsteine, die in Deutschland eher durch den sogenannten Domino-Day Berühmtheit erlangten.

Die Steine ergeben aneinander viele verschiedene Kombinationen und Figuren.

Nach dem Mischen erhält jeder Mitspieler 6 bis 10 Steine, ein Stein wird offen in die Mitte gelegt. Die Steine enthalten immer zwei Felder mit Punkten, zu denen dann derjenige, der an der Reihe ist, seine eigenen Steine anlegen kann. Wurde ein Stein gesetzt ist der nächste Spieler dran. Wer zuerst alle seine Steine los wird, hat gewonnen und die anderen zählen die Augen der verbliebenen  Steine zusammen.

Nach dem Ende der Runde werden die Steine neu verteilt und…

Und dank meiner ersten Woche Spanisch-Unterricht schaffe ich es tatsächlich, mir die Regeln erklären zu lassen und ein paar Fotos aufzunehmen.

…die Punkte vergeben. Buchführung!

© Text und Fotos – Cornelius Kalk